Schlagwortarchiv für: Medienkompetenz

Verschiedene Zeitschriften zum Thema "Medienbildung"

Medienbildung, Medienpädagogik, Medienkompetenz – auf dieser Seite stellen wir Artikel aus aktuellen Fachzeitschriften vor. Viele davon können online gelesen oder heruntergeladen werden.

Telegram-Icon vor unscharfem Smartphone-Display. Montage: Michael Schnell / Grimme-Institut.

Den Messenger Telegram verbinden viele mit Querdenken, Rechtsradikalismus, Verschwörungserzählungen, Staatsferne. Doch seine Unabhängigkeit, die ausgeprägte Rede- bzw. Schreibfreiheit, die kaum vorhandene Regulierung sind in anderen Zusammenhängen auch positiv zu bewerten. Der Medienbildungshub schaut sich dieses zwiespältige Bild des Messengers näher an und fragt nach den Konsequenzen für die Medien- und Informationskompetenz.

Seit der Gründung der öffentlich-rechtlichen Rundfunksender gehört das Thema Bildung, neben Unterhaltung und Information, zu ihren grundsätzlichen Aufgaben. Mit der zunehmenden Verbreitung der (schon lange nicht mehr so) „Neuen Medien“ und ihrer relativ freien Zugänglichkeit auch schon für Kinder und Jugendliche rückte verstärkt die Vermittlung von Medienkompetenz in das Bildungs-Blickfeld. Der Medienbildungshub bietet eine Übersicht über die angebotenen Inhalte des ÖRR und wagt sich an eine Bewertung. Aktuell: Die Medienkompetenzangebote des Mitteldeutschen Rundfunks.

Auf dieser Seite stellen wir medienbildungsrelevante Artikel aus aktuellen Fachzeitschriften vor. Viele davon können online abgerufen oder heruntergeladen werden.

Kriegsbilder auf TikTok; Bild: Grimme-Institut / Michael Schnell

Wie nehmen wir Bilder wahr? Was hat sich durch Digitalisierung, durch die Nutzung von Sozialen Netzwerken und Messengern geändert? Wie können wir Fakes und Manipulationen erkennen? Diese Fragen möchte dieser Artikel beantworten – vor allem mit Blick auf die Bilderflut, die uns derzeit aus der Kriegsregion Ukraine erreicht, und auf ihre Wirkung auf uns und auf Kinder und Jugendliche.

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Verkehrschild mit Pfeil nach rechts und einem Aufkleber mit Deutschlandfahne; Bild: Grimme-Institut / Michael Schnell

Die Digitalisierung habe einerseits neue Möglichkeiten erschlossen, sich politisch zu beteiligen und zu organisieren, andererseits auch Risiken eröffnet: die Manipulation politischer Meinungsbildung, populistische Aussagen und Inhalte, Fake News und Verschwörungserzählungen, Beleidigung und Hassrede. Das Grimme-Institut hat im November 2021 eine Gesprächsreihe initiiert, die nach der Verantwortung der Medien gefragt hat. Wir betrachten diese Reihe aus der Perspektive der Medienbildung.

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Informationsbedürfnis von Kindern und Jugendlichen – und die Kompetenz?

Gerade Kinder und Jugendliche kommen über soziale Medien recht schnell mit solchen Berichten und Bildern aus dem Krieg in Kontakt. Das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) hat bereits zu Beginn der jetzigen Kriegssituation (Ende Februar 2022) junge Menschen zwischen 13 und 17 Jahren in ganz Deutschland über ihr Informationsverhalten zum Ukraine-Krieg befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Jugendlichen Grundlegendes über das Geschehen wussten. Dabei informierten sie sich zuerst über traditionelle Medien, aber auch über das Internet. Nach Meinung des IZI war aber bereits absehbar, dass sich dies mit dem Fortschreiten des Konflikts zunehmend in die sozialen Netzwerke verlagern würde.[1]

Kind zeigt Inhalte auf seinem Handy; Bild: Grimme-Institut / Michael Schnell

Kind zeigt Inhalte auf seinem Handy; Bild: Grimme-Institut / Michael Schnell

Mittlerweile hat sich gerade die App TikTok als Plattform für Inhalte vom Krieg in der Ukraine hervorgetan. Die Süddeutsche Zeitung schrieb bereits am 9. März 2022, dass TikTok zur „einer der wichtigsten Anlaufstellen für Menschen geworden [ist], die sich über den Krieg in der Ukraine informieren wollen.“[2] Ungefähr zur selben Zeit sprach das amerikanische Magazin New Yorker von dem „ersten TikTok-Krieg“.[3] Eigentlich ist die besonders bei der jüngeren Zielgruppe beliebte Plattform TikTok eher für lustige und ad hoc gedrehte Videos bekannt. Nun werden, direkt aus dem Krieg, Bilder von den Auseinandersetzungen und ihren Folgen ins Netz gestellt. Und selbst kleinere Kanäle und Beiträge finden zum Teil leicht Beachtung. Grund hierfür ist der im Algorithmus nicht vorhandene „Social Graph“: Es werden also anders als bei sozialen Netzwerken wie Facebook nicht Beiträge von Personen angezeigt, mit denen man in Kontakt steht (Freund*innen, Follower*innen etc.).[4] Wer sich hingegen oft Beiträge zum Thema Ukraine-Krieg anschaut, erhält zunehmend mehr davon in seiner TikTok-„Für-Dich“-Seite, die beim Starten erscheint.

Was sollten also Kinder und Jugendliche angesichts der zuvor beschriebenen problematischen Inhalte (gewalthaltige und grausame Bilder, teilweise ohne Kontext, gefälschte Fotografien und Videos, Propagandamaterial und Inszenierungen) wissen? Was sollten Eltern, Lehrkräfte und Erziehende tun, wenn das Kind nach dem Geschehen in der Ukraine fragt?

1. Kinder

Eine Umfrage der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom kam zu den Ergebnissen, dass „16 Prozent der Drei- bis Vierjährigen und mehr als die Hälfte der Acht- bis Elfjährigen bereits Videos der Kurzvideoplattform Tiktok anschauen“[5]. Angesichts der dort verfügbaren Inhalte zum Ukraine-Krieg muss natürlich danach gefragt werden, ab welchem Alter Eltern ihrem Kind die Nutzung erlauben sollten. Vorschulkinder sollten die App sicherlich noch nicht nutzen. Bei Kindern um 10 Jahre sollten Eltern bedenken, dass TikTok offiziell erst ab 13 Jahren genutzt werden darf, und bei früherer Nutzung die Kinder zumindest eng begleitet werden sollten.

Doch egal, ob TikTok, TV oder eine Bild über WhatsApp: Bilder aus dem Krieg sind in ihrer Wirkung auf Kinder, allem voran Angst und Verunsicherung, nicht zu unterschätzen. Das heißt: Kinder mit eigenem Smartphone und Internetzugang sollten darauf vorbereitet werden, dass sie auf solches Bildmaterial stoßen können – und sollten das Gefühl vermittelt bekommen, bei Problemen und Ängsten durch solche Bilder ernst genommen zu werden und jederzeit ihre Eltern ansprechen zu können.

Weitere Informationen und Tipps finden sich auf den einschlägigen Internetportalen zu den Themen „Medienkompetenz“ und „Medienerziehung“:

Für Kinder:

Für Eltern: Informationen zum Thema „Kind und Krieg“:

Für Eltern: Informationen zu TikTok:

Für Lehrkräfte:

2. Jugendliche

Die meisten Jugendlichen nutzen bereits die Medien der Erwachsenen, greifen allerdings verstärkt auf Social-Media-Angebote zurück. Eltern und Schule sollten Wert darauf legen, dass Jugendliche sich eingehender mit den oben besprochenen Themen zur Wahrnehmung und Bewertung von Bildern auseinandersetzen – gerade in Zeiten ausufernder Falschmeldungen und Verschwörungserzählungen zu Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg.

Weitere Informationen und Tipps:

Für Jugendliche:

Für Eltern:

Für Lehrkräfte:

Verweis


[1] Maya Götz: Der Krieg in der Ukraine: Was Jugendliche wissen und wie sie sich informieren. Pressemeldung vom 25.02.2022 online auf den Seiten des Informationsdienst Wissenschaft e. V.: https://idw-online.de/de/news789143 (abgerufen am 05.04.2022).


[2] Simon Hurtz: Der Krieg zerstört die heile Tiktok-Welt. Online auf den Seiten der Süddeutschen Zeitung unter: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tiktok-ukraine-krieg-propaganda-1.5544343 (vom 09.03.2022, abgerufen am 05.04.2022).


[3] Marc Dimpfel: Fake News oder Info-Quelle? Tiktok erlebt seinen ersten Krieg. Online auf den Seiten ntv unter: https://www.n-tv.de/panorama/Tiktok-erlebt-seinen-ersten-Krieg-article23190289.html (vom 12.03.2022, abgerufen am 05.04.2022).


[4] Simon Hurtz (sueddeutsche.de vom 09.03.2022, s. Anm. 2).


[5] Marie-Claire Koch: Britische Medienaufsicht: 16 Prozent der britischen Kleinkinder schon auf Tiktok. Online auf den Seiten von heise.de unter: https://www.heise.de/news/Medienaufsicht-in-UK-16-Prozent-der-britischen-Kleinkinder-schon-auf-Tiktok-6657824.html (vom 30.03.2022, abgerufen am 05.04.2022).