Seit der Gründung der öffentlich-rechtlichen Rundfunksender gehört das Thema Bildung, neben Unterhaltung und Information, zu ihren grundsätzlichen Aufgaben. Mit der zunehmenden Verbreitung der (schon lange nicht mehr so) „Neuen Medien“ und ihrer relativ freien Zugänglichkeit auch schon für Kinder und Jugendliche rückte verstärkt die Vermittlung von Medienkompetenz in das Bildungs-Blickfeld. Der Medienbildungshub bietet eine Übersicht über die angebotenen Inhalte des ÖRR und wagt sich an eine Bewertung. Aktuell: Die Medienkompetenzangebote von Radio Bremen.

Verschiedene Zeitschriften zum Thema Medienbildung

Medienbildung, Medienpädagogik, Medienkompetenz – auf dieser Seite stellen wir Artikel aus aktuellen Fachzeitschriften vor. Viele davon können online gelesen oder heruntergeladen werden.

Das Projekt #meinfernsehen2021 hat in einem partizipativen Diskurs die Zukunft des Fernsehens ausgelotet, indem Nutzer*innen und (bewusste) Nicht-Nutzer*innen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens online ihre Meinungen, ihre Kritik, ihre Ideen kundtun und mit anderen diskutieren konnten. Im Oktober 2022 ist ein Sammelband zu #meinfernsehen2021 erschienen. Der Medienbildungshub hat sich besonders für vier Artikel zum Thema Mediennutzung und -kritik junger Leute interessiert.

Verschiedene Zeitschriften zum Thema "Medienbildung"

Medienbildung, Medienpädagogik, Medienkompetenz – auf dieser Seite stellen wir Artikel aus aktuellen Fachzeitschriften vor. Viele davon können online gelesen oder heruntergeladen werden.

Telegram-Icon vor unscharfem Smartphone-Display. Montage: Michael Schnell / Grimme-Institut.

Den Messenger Telegram verbinden viele mit Querdenken, Rechtsradikalismus, Verschwörungserzählungen, Staatsferne. Doch seine Unabhängigkeit, die ausgeprägte Rede- bzw. Schreibfreiheit, die kaum vorhandene Regulierung sind in anderen Zusammenhängen auch positiv zu bewerten. Der Medienbildungshub schaut sich dieses zwiespältige Bild des Messengers näher an und fragt nach den Konsequenzen für die Medien- und Informationskompetenz.

Junge spielt am Tablet; Bild: Grimme-Institut / Michael Schnell

Im Vordergrund der wichtigsten und größten Computerspielmesse in Europa, der Gamescom, steht die Präsentation neuer Spiele. Doch auch abseits davon hat die Gamescom eine Menge zu bieten – zum Thema Medienbildung den Gamescom Kongress und den Bereich „familiy & friends“. Den Zusammenhang von Spielen und Lernen thematisierte bereits früh – zeitnah zur Gamescom 2017 veröffentlicht – das Grimme-Forschungskolleg mit dem 5. Band der Schriftenreihe zur digitalen Gesellschaft NRW „Spielend lernen! Computerspiele(n) in Schule und Unterricht“ sowie ein Artikel zur Qualitätsdebatte rund um Computerspiele in dem Sammelband „Medienqualität“.

Leuchtende Glühlampe und binäre Zahlen; Bild: Grimme-Institut / Michael Schnell

Wie künstliche Intelligenz in der kulturellen Bildung genutzt werden kann und vor welchen Herausforderungen wir dabei stehen, darum ging es bei der Tagung „Mensch – Maschine – Kultur – Bildung“. Das Grimme-Institut hat als Veranstaltungspartner teilgenommen und im Vorfeld ein Interview mit Horst Pohlmann von der Akademie der Kulturellen Bildung und Harald Gapski vom Grimme-Institut geführt.

Auf dieser Seite stellen wir medienbildungsrelevante Artikel aus aktuellen Fachzeitschriften vor. Viele davon können online abgerufen oder heruntergeladen werden.

Informationsbedürfnis von Kindern und Jugendlichen – und die Kompetenz?

Gerade Kinder und Jugendliche kommen über soziale Medien recht schnell mit solchen Berichten und Bildern aus dem Krieg in Kontakt. Das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) hat bereits zu Beginn der jetzigen Kriegssituation (Ende Februar 2022) junge Menschen zwischen 13 und 17 Jahren in ganz Deutschland über ihr Informationsverhalten zum Ukraine-Krieg befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass die meisten Jugendlichen Grundlegendes über das Geschehen wussten. Dabei informierten sie sich zuerst über traditionelle Medien, aber auch über das Internet. Nach Meinung des IZI war aber bereits absehbar, dass sich dies mit dem Fortschreiten des Konflikts zunehmend in die sozialen Netzwerke verlagern würde.[1]

Kind zeigt Inhalte auf seinem Handy; Bild: Grimme-Institut / Michael Schnell

Kind zeigt Inhalte auf seinem Handy; Bild: Grimme-Institut / Michael Schnell

Mittlerweile hat sich gerade die App TikTok als Plattform für Inhalte vom Krieg in der Ukraine hervorgetan. Die Süddeutsche Zeitung schrieb bereits am 9. März 2022, dass TikTok zur „einer der wichtigsten Anlaufstellen für Menschen geworden [ist], die sich über den Krieg in der Ukraine informieren wollen.“[2] Ungefähr zur selben Zeit sprach das amerikanische Magazin New Yorker von dem „ersten TikTok-Krieg“.[3] Eigentlich ist die besonders bei der jüngeren Zielgruppe beliebte Plattform TikTok eher für lustige und ad hoc gedrehte Videos bekannt. Nun werden, direkt aus dem Krieg, Bilder von den Auseinandersetzungen und ihren Folgen ins Netz gestellt. Und selbst kleinere Kanäle und Beiträge finden zum Teil leicht Beachtung. Grund hierfür ist der im Algorithmus nicht vorhandene „Social Graph“: Es werden also anders als bei sozialen Netzwerken wie Facebook nicht Beiträge von Personen angezeigt, mit denen man in Kontakt steht (Freund*innen, Follower*innen etc.).[4] Wer sich hingegen oft Beiträge zum Thema Ukraine-Krieg anschaut, erhält zunehmend mehr davon in seiner TikTok-„Für-Dich“-Seite, die beim Starten erscheint.

Was sollten also Kinder und Jugendliche angesichts der zuvor beschriebenen problematischen Inhalte (gewalthaltige und grausame Bilder, teilweise ohne Kontext, gefälschte Fotografien und Videos, Propagandamaterial und Inszenierungen) wissen? Was sollten Eltern, Lehrkräfte und Erziehende tun, wenn das Kind nach dem Geschehen in der Ukraine fragt?

1. Kinder

Eine Umfrage der britischen Medienaufsichtsbehörde Ofcom kam zu den Ergebnissen, dass „16 Prozent der Drei- bis Vierjährigen und mehr als die Hälfte der Acht- bis Elfjährigen bereits Videos der Kurzvideoplattform Tiktok anschauen“[5]. Angesichts der dort verfügbaren Inhalte zum Ukraine-Krieg muss natürlich danach gefragt werden, ab welchem Alter Eltern ihrem Kind die Nutzung erlauben sollten. Vorschulkinder sollten die App sicherlich noch nicht nutzen. Bei Kindern um 10 Jahre sollten Eltern bedenken, dass TikTok offiziell erst ab 13 Jahren genutzt werden darf, und bei früherer Nutzung die Kinder zumindest eng begleitet werden sollten.

Doch egal, ob TikTok, TV oder eine Bild über WhatsApp: Bilder aus dem Krieg sind in ihrer Wirkung auf Kinder, allem voran Angst und Verunsicherung, nicht zu unterschätzen. Das heißt: Kinder mit eigenem Smartphone und Internetzugang sollten darauf vorbereitet werden, dass sie auf solches Bildmaterial stoßen können – und sollten das Gefühl vermittelt bekommen, bei Problemen und Ängsten durch solche Bilder ernst genommen zu werden und jederzeit ihre Eltern ansprechen zu können.

Weitere Informationen und Tipps finden sich auf den einschlägigen Internetportalen zu den Themen „Medienkompetenz“ und „Medienerziehung“:

Für Kinder:

Für Eltern: Informationen zum Thema „Kind und Krieg“:

Für Eltern: Informationen zu TikTok:

Für Lehrkräfte:

2. Jugendliche

Die meisten Jugendlichen nutzen bereits die Medien der Erwachsenen, greifen allerdings verstärkt auf Social-Media-Angebote zurück. Eltern und Schule sollten Wert darauf legen, dass Jugendliche sich eingehender mit den oben besprochenen Themen zur Wahrnehmung und Bewertung von Bildern auseinandersetzen – gerade in Zeiten ausufernder Falschmeldungen und Verschwörungserzählungen zu Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg.

Weitere Informationen und Tipps:

Für Jugendliche:

Für Eltern:

Für Lehrkräfte:

Verweis


[1] Maya Götz: Der Krieg in der Ukraine: Was Jugendliche wissen und wie sie sich informieren. Pressemeldung vom 25.02.2022 online auf den Seiten des Informationsdienst Wissenschaft e. V.: https://idw-online.de/de/news789143 (abgerufen am 05.04.2022).


[2] Simon Hurtz: Der Krieg zerstört die heile Tiktok-Welt. Online auf den Seiten der Süddeutschen Zeitung unter: https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/tiktok-ukraine-krieg-propaganda-1.5544343 (vom 09.03.2022, abgerufen am 05.04.2022).


[3] Marc Dimpfel: Fake News oder Info-Quelle? Tiktok erlebt seinen ersten Krieg. Online auf den Seiten ntv unter: https://www.n-tv.de/panorama/Tiktok-erlebt-seinen-ersten-Krieg-article23190289.html (vom 12.03.2022, abgerufen am 05.04.2022).


[4] Simon Hurtz (sueddeutsche.de vom 09.03.2022, s. Anm. 2).


[5] Marie-Claire Koch: Britische Medienaufsicht: 16 Prozent der britischen Kleinkinder schon auf Tiktok. Online auf den Seiten von heise.de unter: https://www.heise.de/news/Medienaufsicht-in-UK-16-Prozent-der-britischen-Kleinkinder-schon-auf-Tiktok-6657824.html (vom 30.03.2022, abgerufen am 05.04.2022).

Bildmaterial: Wahrheitsgehalt prüfen!

Wie lassen sich Fotografien und Videos auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen? Und wie kann man vermeiden, dass Fälschungen weiterverbreitet werden?[1]

Blauer Haken bei Instagram für eine seriöse Nachrichtenagentur; Bild:  Grimme-Institut / Michael Schnell

Blauer Haken bei Instagram für eine seriöse Nachrichtenagentur; Bild: Grimme-Institut / Michael Schnell


Journalist*innen und Faktenchecker*innen

  • untersuchen die Metadaten von Fotos und Videos, die oft auch das Aufnahmedatum und den Aufnahmeort (Geodaten) beinhalten – aber auch geändert werden können und bei Verwendung in Sozialen Medien auch oft automatisch gelöscht werden;
  • nutzen die Bildersuche bei Google, Bing oder auch der russischen Suchmaschine Yandex, bei denen ein Bild eingegeben werden kann. Unter den Suchergebnissen finden sich identische und/oder ähnliche Bilder, die Hinweise geben können auf das Entstehungsdatum oder auf das Originalbild, das später verfälscht worden ist;
  • recherchieren in speziellen Datenbanken nach bereits geklärten Bilderverifikationen;
  • betrachten die Bildmaterialien genau und entdecken so ggf. Fehler bei einer nachträglichen Bildbearbeitung: zum Beispiel falsche Schatten oder widersprüchliche Hell-/Dunkelbereiche, bei Bewegungen ein nicht zur Person passender Gang, verzerrte Bewegungen, zu lange Gliedmaßen und mehr;
  • haben bei der genauen Betrachtung auch Kleinigkeiten im Blick (zum Beispiel Gebäude oder Straßenzüge im Hintergrund), um den Entstehungsort der Bilder zu lokalisieren, ziehen dazu Satellitenaufnahmen und Kartendienste hinzu;
  • machen sich für die Ortung der Bildmaterialien eigene oder Kenntnisse anderer zu regionalen Besonderheiten zunutze;
  • forschen nach, von wem das Bild stammt: von einer seriösen Person oder Institution?
  • wissen, welche Besonderheiten einzelne Social-Media-Instrumente haben, zum Beispiel wie man den Zeitpunkt eines Tweets unabhängig von der Zeitverschiebung erkennen kann.

Was jeder machen kann:

  • Generell misstrauisch sein!
  • Fotografien, Videos, Texte nicht zu schnell per Messenger und über Soziale Netzwerke weiterleiten, vor allem nicht bei unbekannten Absender*innen.
  • Grundsätzlich überlegen, von wem das Bild stammt!
  • Bilder von glaubwürdigen, unabhängigen Medien und seriösen Personen nutzen!
  • Darauf achten, ob der Account einer prominenten Person (zum Beispiel eines/-r Journalistin/-en) verifiziert ist.
  • Speziell bei TikTok: Stammen Bild und Ton von derselben Person? (Ansonsten ist ggf. der Ton von einem anderen Video in das eigene gemischt worden, was bei TikTok gängig und leicht zu bewerkstelligen, aber auch einfach zu erkennen ist).
  • Sofern möglich, oben genannte Tools zum Faktencheck (Rückwärts-Bildersuche u. a.) und die Tipps nutzen.


Verweis


[1] Nachfolgende Tipps finden sich in folgenden Artikeln: Wolfgang Wichmann: faktenfinder-Tutorial: Wie verifiziert man Videos im Netz? Online auf den Seiten der Tagesschau unter: https://www.tagesschau.de/faktenfinder/tutorials/video-verifikation-101.html (vom 08.04.2020, abgerufen am 05.04.2022); Felix Huesmann: Falsche Aufnahmen aus der Ukraine erkennen. Zerstörung in Echtzeit: Wie behält man den Durchblick im Krieg der Bilder? Online auf den Seiten des Redaktionsnetzwerks Deutschland unter: https://www.rnd.de/politik/falschinformationen-aus-der-ukraine-erkennen-durchblick-im-krieg-der-bilder-VFYEREMJQFASHBBHVMV2MQKT3M.html (vom 03.03.2022, abgerufen am 05.04.2022); Jana Heigl, Max Gilbert und Julia Ley: Ukraine-Krieg: So ordnen Sie Quellen und Bilder richtig ein. Online auf den Seiten des Bayerischen Rundfunks unter: https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/ukraine-konflikt-quellen-und-bilder-richtig-einordnen-faktenfuchs,SyMTZUo (vom 24.02.2022, abgerufen am 05.04.2022); Markus Böhm und Janne Knödler: Ukrainekrieg auf Twitter, TikTok und Co. So entlarven Sie falsche Bilder und Videos. Bei Spiegel online unter: https://www.spiegel.de/netzwelt/web/ukraine-krieg-auf-tiktok-twitter-und-co-so-entlarven-sie-falsche-bilder-und-videos-a-ced13de6-3134-4818-84c1-8ea561275324 (vom 25.02.2022, abgerufen am 05.04.2022); Imre Grimm: Krieg in sozialen Netzwerken. Traut euren Augen nicht! Im Krieg der Bilder ist praktisch alles möglich. Online auf den Seiten des Redaktionsnetzwerks Deutschland unter: https://www.rnd.de/medien/bilder-zum-krieg-in-der-ukraine-was-ist-echt-was-faelschung-ARJX75LDS5GGFKQRNH7EXIDPXU.html (vom 16.03.2022, abgerufen am 05.04.2022); Deutschlandfunk Kultur: Ukraine-Krieg in den Medien. Auf der Suche nach der Wahrheit. Online auf den Seiten von Deutschlandfunk Kultur unter: https://www.deutschlandfunkkultur.de/berichterstattung-ukraine-russland-krieg-100.html (vom 11.03.2022, abgerufen am 05.04.2022).